Ein vom Institut für Bioengineering Katalonien (IBEC) geleiteten Konsortium hat eine neue Klasse von photoschaltbaren Medikamenten entwickelt, die bei komplett blinden Mäusen funktionelle Sehkraft wiederhergestellt hat — ohne Operation, genetische Veränderung oder implantierte Geräte. Die Verbindungen können als einfache Augentropfen verabreicht werden und wirken unter normalem Raumbeleuchtungslicht.
In der Journal of the American Chemical Society (JACS) veröffentlicht, stellt die Studie prosthe6 vor: eine Familie kleiner Moleküle, die die Rolle abgestorbener Photorezeptorzellen übernehmen, indem sie ein spezifisches Protein (mGlu6) in den erhaltenen ON-Bipolarneuronen der Netzhaut angreifen.
Das Problem: 200 Millionen Menschen weltweit
Sehverlust durch Photorezeptordegeneration — einschließlich altersbedingter Makuladegeneration und Retinitis Pigmentosa — betrifft 200 Millionen Menschen weltweit. Aktuelle Behandlungen sind begrenzt.
Wie Prosthe6 funktioniert
Die prosthe6-Verbindungen nutzen Photopharmakologie — durch Licht reversible Medikamentenaktivität. Die Moleküle binden an mGlu6-Rezeptoren auf ON-Bipolarneuronen. Bei Umgebungslicht verändern sie ihre Form und lösen Netzhautsignale aus, die natürliche Photorezeptorfunktion nachahmen.
Kritischerweise wirken die Verbindungen unter normalem Raumlicht — keine intensiven oder spezialisierten Lichtquellen erforderlich.
Ergebnisse bei blinden Mäusen
Die Führungsverbindungen prosthe6-12 und prosthe6-15 stellten die angeborene Lichtmeidung bei blinden Mäusen wieder her. Nach der Behandlung zeigten die Mäuse erneut eine spontane Präferenz für dunkle Bereiche — ohne Training und unter normalem Umgebungslicht.
Vom Labor zur Klinik
Die Technologie ist patentgeschützt. Die Spin-off-Unternehmen Eyelumina wird zur Sicherung von Investitionen für die klinische Entwicklung gebildet.
Referenz: J. Am. Chem. Soc. (2026). DOI: 10.1021/jacs.5c18611




