Ein Android-Client von 2022 steht plötzlich wieder auf der GitHub-Trending-Seite: PipePipe, ein unabhängiger Hard Fork des bekannten NewPipe, sammelte binnen eines Tages rund 242 neue Stars. Die App lässt sich über F-Droid und IzzyOnDroid installieren und hat sich vom Ursprungsprojekt wegentwickelt: Sie erhält keine Updates von NewPipe und schiebt auch keine dorthin zurück. Andere Forks wie Tubular folgen dagegen dem jeweils neuesten NewPipe-Stand.
Der Fork begann im Frühjahr 2022 aus Unzufriedenheit über die Entwicklungsphilosophie des Originals. Der Ansatz des Maintainers: schnellere Bugfixes und häufigere Feature-Updates statt enger Abstimmung mit dem Upstream. In der Praxis heißt das eine ganze Reihe von Funktionen, die NewPipe nicht oder später bietet.
Dazu zählen integriertes SponsorBlock zum Überspringen von Werbe- und Sponsoringsegmenten — für YouTube und BiliBili — sowie ReturnYouTubeDislike, das die von YouTube entfernten Dislike-Zahlen zurückholt. Hinzu kommen Originaltitel statt lokalisierter Varianten, ein Login für eingeschränkte oder Premium-Inhalte, Live-Chats als Danmaku-Overlays, AV1- und VP9-Unterstützung für effizientere Wiedergabe, ein Musikmodus mit Hintergrundwiedergabe, erweiterte Suchfilter, das Ausblenden von Shorts und bezahlten Videos per Stichwort oder Kanal, Wischgesten zum Spulen, Long-Press zum schnelleren Abspielen, ein Sleep-Timer sowie der Download kompletter Playlists. Auch die Unterstützung für YouTubes SABR-Streaming geht auf einen Beitrag aus der Community zurück.
Sicherheitsrelevant ist der Umgang mit Anmeldedaten: Der Login-Cookie wird laut Projekt nur für ausdrücklich konfigurierte Szenarien verwendet — bei YouTube ausschließlich beim Abruf der Wiedergabe-Streams. Finanziert wird die Arbeit über Spenden auf Ko-fi und Liberapay; Service-Anfragen lehnt der Maintainer ausdrücklich ab und verweist Interessierte auf eigene Forks. Dass ein solcher Client erneut Aufmerksamkeit gewinnt, dürfte auch daran liegen, dass YouTube seine Werbe- und Streamingschutzmaßnahmen weiter verschärft hat — was jeden unabhängigen Wiedergabe-Client regelmäßig vor neue technische Hürden stellt.




