Der Pariser Autosalon war immer eine Bühne für PS-Zahlen. In diesem Jahr kam die lauteste Aussage aus der kleinsten Fahrzeugklasse: Wie heise in seinem Rundgang berichtet, zogen Kompaktwagen die Aufmerksamkeit auf sich — nicht Hypercars, nicht Flaggschiffe.

Der Grund ist Arithmetik. Europäische Käufer haben Jahre der Preissteigerung verdaut, das Auslaufen vieler Kaufanreize und das Auftauchen chinesischer Marken, die den Kompaktwagen zu 20.000 Euro als Volumenprodukt behandeln statt als Lockvogel. Als Antwort bringen europäische Hersteller endlich die Fahrzeuge, die sie versprochen hatten: der wiederbelebte Renault Twingo, Volkswagens ID.Polo, Citroëns C3, Fiats Grande Panda, Dacias Spring — eine Gruppe von Elektroautos, die sich um das Band von 20.000 bis 25.000 Euro schart.

Genau dieses Band entscheidet den Wettbewerb. Der Preis eines Elektroautos wird nicht von der Marke bestimmt, sondern von der Batteriezelle, dem Zollregime und dem Baukasten. Deshalb ist erklärbar, wie chinesische Anbieter mit einem Preis antreten konnten, den europäische Konzerne lange für unrentabel hielten: höhere Stückzahlen, vertikal integrierte Zellen und niedrigere Entwicklungsstände. Europas Antwort — Fahrzeuge, die auf bestehenden Plattformen aufbauen und mit lokal produzierten Zellen arbeiten sollen — ist erst der Anfang.

Denn ein günstiges Elektroauto zu bauen ist nicht dasselbe, wie eines profitabel zu verkaufen. Marge und Volumen stehen in einem Zielkonflikt: Jedes verkaufte Einstiegsmodell kann die Gewinnrechnung eines Herstellers verwässern, solange die Batteriekosten nicht fallen. Hinzu kommen die EU-CO2-Ziele für Flotten, die den Absatz elektrischer Modelle erzwingen, und die Sonderzölle auf chinesische Fahrzeuge, die den preislichen Abstand verringern sollen.

Das Signal aus Paris ist damit klar: Das preisgünstige Segment ist von der Marketingübung zur Hauptattraktion geworden. Die obere Etage der Messe bleibt eine Ingenieurs-Schau — Prestige, Reichweitenrekorde, Konzeptfahrzeuge — aber das Geschäft der nächsten fünf Jahre entscheidet sich eine Etage tiefer.

Noch offen: Ob die gezeigten Einstiegspreise Bestand haben, hängt von Zellpreisen, Zöllen und der Produktionsanlaufkurve ab; endgültige Marktpreise sind zum Zeitpunkt der Messe noch nicht gesichert.