Oracle hat für Project Jupiter, das 2,45-Gigawatt-Rechenzentrum im Doña Ana County in New Mexico, eine Mitteilung über höhere Gewalt („force majeure“) ausgestellt, um sich rechtlich abzusichern und Zahlungen zu strecken, falls der Campus nicht wie geplant 2028 ans Netz geht.

Die Mitteilung ging an den Projektentwickler – Berichten zufolge eine Einheit von Blue Owl Capital sowie das Infrastrukturunternehmen Stack Infrastructure – und verweist auf mögliche Verzögerungen bei der Stromversorgung sowie weitere Rückschläge. Höhere Gewalt wird üblicherweise für Ereignisse außerhalb der Kontrolle einer Partei geltend gemacht; hier dient sie als finanzieller Schutz, nicht als Ausstieg. Oracle gibt den Standort nicht auf und erklärt, das Projekt liege im Zeitplan.

Jupiter gehört zur breiteren Stargate-Welle der KI-Infrastruktur; vorgesehen sind gasbetriebene Brennstoffzellen von Bloom Energy. Das Projekt stieß auf heftigen lokalen Widerstand, regulatorische Hürden und Kostendruck, und rund 18 Milliarden Dollar Projektkredite hängen daran.

Die Marktreaktion folgte prompt: Die Oracle-Aktie fiel nach dem Bericht um mehrere Prozent, ein vorbörslicher Wert zeigte einen Rückgang von über vier Prozent. Für ein Unternehmen, dessen KI-Erzählung davon abhängt, enorme Rechenkapazität termingerecht zu liefern, wiegt ein öffentliches Eingeständnis von Terminrisiko schwer – selbst in abgeschwächter, juristischer Form.

Der Fall zeigt zugleich eine breitere Spannung im KI-Ausbau: Gigawatt-Campusse werden schneller angekündigt, als Stromverträge, Genehmigungen und lokale Zustimmung gesichert werden können – und die Lücke landet zunehmend in Bilanzen statt in Pressemitteilungen.