OpenAI hat am 10. September ChatGPT for Financial Services vorgestellt — eine auf das Unternehmensprodukt ChatGPT Work zugeschnittene Version für Recherche, Modellierung und Pitchbooks, also die Arbeit, die Investmentbanken seit Jahrzehnten Junior-Analysten und Associates übertragen. Das Produkt läuft auf GPT-6 Astra, dem neuesten Frontier-Modell von OpenAI, und entstand mit Morgan Stanley und Evercore als Designpartner.

Der Unterschied liegen in den Daten. Statt Kunden selbst MCP-Konnektoren einrichten zu lassen, indexiert und hostet OpenAI Premiumdatensätze von Daloopa, PitchBook, LSEG News und Crunchbase — von Earnings-Transkripten über Finanzabschlüsse bis zu Unternehmens- und Privatmarktdaten. Ergebnisse tragen granulare Quellenangaben, sodass Banker jede Kennzahl bis zur Tabelle oder Textstelle zurückverfolgen können. Mit S&P Capital IQ, LSEG, MSCI, Dow Jones Factiva und Moody's arbeitet OpenAI an gemeinsamen Login- und Entitlement-Integrationen, damit Nutzer über ihr ChatGPT-Konto auf Daten zugreifen, die sie bereits abonnieren. Mehr als 50 Konnektoren, darunter Datasite, Box, Preqin, FactSet und Intapp, ergänzen das Ökosystem.

Die Dokumentenpipeline ist ebenso wichtig wie das Reasoning: Administratoren können firmeneigene Excel-, Word- und PowerPoint-Vorlagen veröffentlichen, sodass Analysen in Bewertungsmodelle, Research Notes und Pitchbooks im Hausstil münden. Laut OpenAI erreicht GPT-6 Astra 69,9 Prozent im OfficeQA-Pro-Benchmark auf Basis von US-Treasury-Bulletins, gegenüber 60,2 Prozent für GPT-5.6 Sol. Sicherheitsfunktionen stammen aus ChatGPT Enterprise: SAML-SSO, SCIM-Provisioning, rollenbasierte Zugriffe, Verschlüsselung und getrennte Workspaces für Informationsbarrieren; Geschäftsdaten werden standardmäßig nicht zum Training genutzt.

Der Start bringt OpenAI auf Terrain, das Anthropic mit Claude for Financial Services bereits besetzt, und unterstreicht den Enterprise-Kurs: CFO Sarah Friar sagte im August, das Geschäftskundengeschäft erwirtschaftet mehr Umsatz als das Konsumentengeschäft. Produkt-VP Nick Turley bezeichnete das Angebot als Produktivitätsschub im Excel-Maßstab statt als Stellenabbau und kündigte weitere Branchenlösungen an. Der Gegenwind kam im Vormonat von der Wall Street selbst: Goldman-Sachs-Partner Chris Churchman warnte, die Automatisierung genau jener Aufgaben, die Junior-Banker ausbilden, riskiere eine „kognitive Atrophie“ der nächsten Generation.

Verfügbar ist das Produkt nur für berechtigte Finanzinstitute auf Anfrage; welche Banken neben den beiden Designpartnern unterschrieben haben, sagt OpenAI nicht.