Rund neun Gigabyte interner Daten des deutschen Nachrichtenportals Nius liegen frei zugänglich im Internet. Das geht aus einer Recherche des gemeinnützigen Recherchenetzwerks Correctiv hervor, das die Daten stichprobenartig abgeglichen und als authentisch eingestuft hat.
Der Datensatz ist für ein Medienhaus ungewöhnlich aussagekräftig. Er enthält Adressen von Lesern sowie Kontaktdaten von rund 12.000 Abonnenten – in vielen Fällen Klarnamen mit Wohnanschrift – und bei einigen Betroffenen Teile der Kreditkartennummer. Unter den Abonnenten finden sich Politiker aus Bund und Ländern sowie Unternehmer. Das Leak legt zudem internes Redaktionsmaterial offen: 21.489 Beiträge und Informationen über Gesprächspartner des Portals.
Nius-Chefredakteur Julian Reichelt bestätigte am Mittwoch auf seinem Portal ein Leck im Mai oder Juni und kündigte eine Strafanzeige gegen Unbekannt an. Correctiv erklärte, man habe Nius bereits am Montag Fragen zukommen lassen, und wies Reichelts Vorwurf zurück, das Netzwerk habe das Portal oder die Behörden nicht rechtzeitig gewarnt. Correctiv betont, man habe Nutzerdaten und die Klarnamen von Autoren, die offenbar unter Pseudonym schreiben, bewusst nicht veröffentlicht.
Die Berliner Datenschutzbeauftragte verzeichnet nach eigenen Angaben seit Juni 2025 vier Meldungen über Datenschutzvorfälle bei Nius, die letzte ging am vergangenen Dienstag ein. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, ein vergleichbarer Datenabfluss in der deutschen Medienlandschaft sei ihr nicht bekannt. Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen warnte, wer einer Redaktion vertraulich Informationen gebe, müsse sich auf den Schutz seiner Identität verlassen können – eine Kernaufgabe von Medienhäusern. Bereits im Juli 2025 war Nius von einem Leck betroffen, bei dem E-Mail-Adressen offengelegt wurden.
Nach Correctivs Angaben sind die Daten echt. Der Vorgang wirft die Frage auf, wie gut ein politisch einflussreicher Verlag sowohl seine Leser als auch seine Gesprächspartner schützt – und wie schnell Betroffene informiert werden.
Quellen
- correctiv.orgCorrectiv: Daten-Leak bei Nius – Nutzerdaten, Finanzen und Redaktionssystem liegen ungeschützt im Netz
- golem.deGolem: 9 GByte Redaktions- und Nutzerdaten von Nius frei zugänglich
- spiegel.deSpiegel: Wie Julian Reichelts Portal von einer Datenpanne ablenkt
- derstandard.atDer Standard: Datenleak bei deutschem Krawallportal Nius
- t-online.det-online: Julian Reichelts Problem mit dem Datenschutz
- newsroom.denewsroom.de: Datenleck bei Nius – Informationen von 12.000 Abonnenten betroffen




