Knapp zwei Wochen, nachdem X' rechtliche Schreiben das Aus der Projekte besiegelt zu haben schienen, kehren die Open-Source-Dienste zurück, mit denen sich X-Inhalte ohne Konto lesen lassen. XCancel zeigt bereits wieder aktuelle Beiträge von X, und die Betreiber von Nitter haben die Rückkehr angekündigt, wie heise online berichtet.
Die beiden Projekte waren Ende August nach Unterlassungsaufforderungen (Cease-and-Desist) von X vom Netz gegangen; X warf ihnen unerlaubtes Scraping und Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen vor. Nitter meldete damals, das Projekt sei offline, während der Entwickler rechtlichen Rat einhole. Die Pause war offenbar nicht von Dauer: Nach der Ankündigung auf der zugehörigen GitHub-Seite haben sich die Betreiber juristisch beraten lassen und entschieden, dass Nitter zurückkehren kann. XCancel, ein Ableger von Nitter, ist bereits wieder online und liefert aktuelle Inhalte; auf nitter.net heißt es derzeit nur, dass Inhalte „in Kürze“ folgen sollen. Details wollen die Betreiber noch in dieser Woche nachreichen.
Die Rückkehr setzt eine lange Überlebensgeschichte fort. Nitter gibt es seit 2019; ursprünglich ging es darum, die alte, von Twitter abgeschaffte Benutzeroberfläche weiter nutzen zu können. Nach der Übernahme durch Elon Musk und dem Umbau zu X wurde der Dienst zur beliebten Adresse für alle, die kein X-Konto führen, aber bestimmte Accounts weiterverfolgen wollten, ohne der Plattform ihre Daten zu geben. Anfang 2024 wurde Nitter schon einmal stillgelegt, nachdem Twitter eine für den Dienst grundlegende Funktion entfernt hatte; im Februar 2025 kam es zurück. Als Ende August 2026 X' Rechtsabteilung aktiv wurde – US-Medien berichteten, X werfe Nitter vor, rechtswidrig Daten gesammelt und auf Konten sowie Sitzungs-Tokens zugegriffen zu haben –, wirkte das Aus endgültig.
Der Druck fügt sich in einen größeren Trend: Etablierte soziale Netzwerke erschweren den Zugriff auf ihre Inhalte ohne Konto zunehmend – auch bei Instagram und Facebook. Offene Alternativen wie Bluesky und Mastodon bleiben dagegen ohne Konto frei zugänglich und lesbar – auch wenn viele Inhalte von X-Konten dort fehlen.
Für datenschutzbewusste Nutzer und Forscher, die X ohne Anmeldung verfolgen, räumt die Rückkehr ein Hindernis aus dem Weg, das endgültig ausgesehen hatte. Ob die Gnadenfrist hält, hängt von den Details ab, die Nitters Betreiber für diese Woche angekündigt haben – und davon, ob X seine juristische Kampagne weiter verschärft.
Quellen
- heise.deZugriff auf X ohne Konto: „Nitter“ und „XCancel“ nach „juristischem Rat“ zurück (heise online)
- techcrunch.comX sends cease-and-desist to open source project Nitter over alleged scraping (TechCrunch)
- theregister.comNitter no more? X sends in the lawyers to shut down open-source project (The Register)
- forbes.comCease-And-Desist From X Shuts Down Nitter And XCancel (Forbes)




