Billige Drohnen haben die Rechnung der Luftverteidigung hässlich gemacht: Abfangraketen, die Hunderttausende Dollar kosten, jagen Luftfahrzeuge, die ein paar hundert kosten. Eine Mikrowellenkanone ist der jüngste Versuch, dieses Verhältnis wieder umzudrehen — ein neuer Bericht bei Golem beschreibt Hochleistungs-Mikrowellenwaffen, die speziell als Gegenmittel gegen Drohnenschwärme beworben werden.
Der Mechanismus ist wenig subtil. Hochleistungs-Mikrowellen-Systeme (HPM) senden einen gerichteten elektromagnetischen Impuls aus, der in der Elektronik des getroffenen Ziels schädliche Ströme induziert. Auf eine Formation von Quadrocoptern gerichtet, kann der Strahl viele davon gleichzeitig zu Boden bringen — ohne Munition, die verbraucht würde, abgesehen von der Energie, die den Emitter speist. Die Kosten pro Schuss sinken damit in Richtung Strompreis.
Die Logik dahinter ist das, was Militärs als 'Kostenkurve' bezeichnen. Ein Schwarm ist genau deshalb eine Bedrohung, weil er einzeln billig ist: Wer ihn mit Abfangraketen oder sogar mit Maschinenkanonen bekämpft, bezahlt für jeden Abschuss ein Vielfaches des Ziels. Richtenergie dreht das Verhältnis um, weil ein einziger Impuls viele Ziele erfassen kann.
Gleichzeitig hat die elektronische Kampfführung Grenzen erreicht, die den Ansatz attraktiver machen. Funkstörung war lange das Standardmittel gegen kleine Drohnen, aber über Glasfaser gelenkte Drohnen sind gegen Störsender immun, weil sie gar kein Funksignal zur Steuerung benötigen. Genau diese Bauart hat sich im Ukraine-Krieg verbreitet — und treibt Armeen zurück zu kinetischen und gerichteten Energiesystemen.
Die Hindernisse sind real. Die effektive Reichweite von HPM-Systemen ist kurz — oft nur einige hundert Meter bis etwa einen Kilometer — weshalb sie als Nahbereichsschutz für Stützpunkte, Flughäfen und kritische Infrastruktur gedacht sind, nicht als weitreichende Verteidigung. Stromversorgung und Kühlung sind erheblich. Und Nebenwirkungen sind unvermeidlich: Derselbe Impuls, der eine feindliche Drohne lahmlegt, kann eigene Funkgeräte, Navigation und Drohnen stören. Eine Mikrowellenkanone ist ein Flächenzapper, kein Präzisionsinstrument.
In den USA und Europa laufen mehrere Programme dieser Klasse, von Epirus' 'Leonidas' über Raytheons CHIMERA bis zum britischen Radio Frequency Directed Energy Weapon. Der neue Bericht fügt dem Bild ein weiteres System hinzu — und passt thematisch zu einer Woche, in der auch ballongestütztes Radar als Lücke in der tieffliegenden Luftraumüberwachung diskutiert wird.
Noch offen: Der Bericht beschreibt eine vorgeschlagene Fähigkeit, nicht ein erprobtes Einsatzsystem. Reichweiten unter Gefechtsbedingungen, Zuverlässigkeit über viele Schüsse hinweg und Wirkung gegen gehärtete Elektronik sind nicht öffentlich belegt.




