Microsoft zieht bei seiner KI-Assistenten-Suite die Reißleine. Das Unternehmen führt die separaten Consumer- und Business-Copilot-Apps zu einer einzigen Anwendung zusammen – und streicht dabei eine Reihe „weniger genutzter“ Funktionen. Betroffen sind Group Chat (gemeinsame KI-Chats), die KI-generierten Podcasts, Deep Research und die experimentellen Copilot-Labs-Features. Sie werden am 18. August eingestellt; auch alle zugehörigen Inhalte werden entfernt. Nutzer, die ihre Gruppen-Chats oder Podcasts behalten wollen, müssen sie bis dahin exportieren.

Auch Copilots Maskottchen Mico – ein blobartiges, an Clippy erinnerndes Animationstier – verschwindet aus dem Assistenten. Microsoft verlagert den Charakter auf die deutlich weniger genutzte Plattform Learn Live, wo er künftig als Tutor arbeiten soll.

Microsoft begründet den Umbau mit dem Ziel einer „einfacheren, kohärenteren Erfahrung für alle“. Doch der Kontext ist unübersehbar: Ein Bericht von The Information hatte bereits Ende letzten Jahres offengelegt, dass Microsoft seine KI-Umsatzziele deutlich gesenkt hat, weil Copilot Marktanteile an KI-Tools von OpenAI, Google und Anthropic verliert. Der Konzern drosselt zudem den KI-Ausbau in Windows: Berichten zufolge entfernt Microsoft Copilot aus mehreren Windows-11-Apps, beginnend mit Notepad.

Für Analysten ist die Konsolidierung ein Eingeständnis: Nach dem rasanten Ausbau der KI-Funktionen kehrt Microsoft nun zu einem schlankeren Produkt zurück – ein Zeichen dafür, dass selbst die reichsten KI-Anbieter ihre Angebote straffen, während der Wettbewerb um zahlende Nutzer härter wird. Der Schritt ist Teil eines größeren Trends: Nach Jahren des Funktionswettlaufs beginnen KI-Anbieter 2026, Angebote einzustampfen, die sich nicht durchsetzen.