McKinsey & Company setzt Bewerberinnen und Bewerber einem fiktiven Kunden gegenüber — einem, der eine KI ist. Wie The Verge berichtet, müssen Kandidaten für Stellen bei der Unternehmensberatung ein simuliertes Kundenprojekt durcharbeiten, in dem eine künstliche Intelligenz den Kunden spielt. Geprüft wird, wie der Bewerber in Echtzeit mit einem fordernden und gelegentlich unzuverlässigen Gegenüber umgeht.
Die Übung ist eine bemerkenswerte Abwandlung des Case-Interviews, jenes jahrzehntealten Formats, bei dem Bewerber ein Geschäftsproblem erhalten und danach beurteilt werden, wie sie ihr Denken strukturieren. Ein menschlicher Interviewer lässt sich umstimmen, ablenken oder an der Mimik ablesen; eine KI wird nicht müde, wird nicht weich — und kann, je nach Prompt, mit großer Überzeugung falsch liegen. Vielleicht ist genau das der Punkt: Wer nicht bemerkt, dass sein Gegenüber eine unbelegte Behauptung aufstellt, ist für die Beratung ein Risiko.
Für Bewerber hebt das Format die Messlatte bei einer Fähigkeit an, die in der Büroarbeit inzwischen ausdrücklich verlangt wird: nicht ob man KI bedienen kann, sondern ob man standhält, während sie mit im Raum ist. Zugleich kehren vertraute Fragen zurück. Automatisierte Assessments haben eine dokumentierte Geschichte inkonsistenter und verrauschter Signale, und ein simulierter Kunde ist nur so gut wie das Szenario dahinter — einschließlich der Fehlermodi, die seine Entwickler bewusst eingebaut haben.
McKinseys Schritt passt zu einem breiteren Muster des Jahres 2026: Beratungen, Banken und Kanzleien bauen ihre Nachwuchspipelines unter der Annahme um, dass generative Werkzeuge einen Großteil des Entwerfens, Zusammenfassens und der ersten Analyse übernehmen, die früher Juniors erledigt haben. Was beim Menschen bleibt, ist Urteilsvermögen unter Druck — genau das, was ein nie ermüdender Sparringspartner gut prüfen kann.




