Margaret Hamilton, die MIT-Informatikerin, die den Begriff „Software Engineering“ prägte und das Team leitete, das die Apollo-Bordsoftware schrieb, ist am 30. September im Alter von 90 Jahren gestorben. Das MIT gab ihren Tod am Mittwoch bekannt; die Nachricht verbreitete sich am 7. und 8. Oktober.
Hamilton wurde 1936 in Paoli, Indiana, geboren, studierte Mathematik am Earlham College und wollte promovieren. Stattdessen brachte sie sich am MIT das Programmieren selbst bei: Zuerst schrieb sie Wettermodell-Code für den Meteorologen Edward Lorenz — den Code hinter der Entdeckung des „Schmetterlingseffekts“ der Chaostheorie —, später Software für das Luftverteidigungssystem SAGE der US-Luftwaffe.
1965 kam sie als erste eingestellte Programmiererin — und erste Frau im Team — an das Instrumentation Laboratory des MIT, um die Bordanwendungssoftware für das Apollo-Programm der NASA zu entwickeln. Der Code lag im „Rope-Core“-Speicher: Drähte, die von ehemaligen Textilarbeiterinnen von Hand durch Magnetkerne gewebt wurden — was ihr den Spitznamen „Rope Mother“ einbrachte. Sie leitete ein Team von etwa 100 Menschen.
Ihre berühmteste Entscheidung war, Fehlererkennung und -wiederherstellung in die Software einzubauen: eine Absicherung, die bei Überlastung des Bordrechners Aufgaben mit niedriger Priorität abwarf und jene behielt, die für die Landung nötig waren. Genau das geschah 1969 Minuten vor dem Aufsetzen von Apollo 11: Der Rechner schlug Alarm, die Missionskontrolle erwog einen Abbruch, und die Software fing sich selbst wieder.
„Hätte der Computer das Problem nicht erkannt und Wiederherstellungsmaßnahmen ergriffen, bezweifle ich, dass Apollo 11 die erfolgreiche Mondlandung geworden wäre“, schrieb sie später. Die Apollo-Software, an deren Entwicklung sie mitwirkte, wurde 2015 auf GitHub veröffentlicht.
2016 erhielt Hamilton die Presidential Medal of Freedom, 2017 wurde sie als LEGO-Minifigur im Set „Women of NASA“ verewigt. Später gründete sie zwei Softwarefirmen, Higher Order Software und Hamilton Technologies, die auf ihren Ideen zu Fehlervermeidung und defensiver Programmierung aufbauten.
Sie hinterlässt ihre Tochter Lauren, einen Schwiegersohn, zwei Enkel und vier Urenkel.
Quellen
- arstechnica.comR.I.P. Margaret Hamilton, whose code saved the Apollo 11 Moon landing — Ars Technica
- theguardian.comMargaret Hamilton, trailblazer whose software powered Apollo 11 moon landing, dies at 90 — The Guardian
- theregister.comMargaret Hamilton, software pioneer who helped put humans on the moon, dies at 90 — The Register



