Am 24. September 1961 führte Walt Disney einen Ententcharakter ein, der kein Comic-Held war, sondern ein Fernsehmoderator: Professor Ludwig von Drake, „renommierter Wissenschaftler, Dozent, Psychologe und Weltreisender" – der brillante und exzentrische Onkel von Donald Duck, „das herausragende Genie des Jahrhunderts", wie Disney ihn nannte. Er war die erste Figur, die Disney speziell für das Fernsehen entwickelte, und erklärte den Zuschauern von Walt Disney's Wonderful World of Color auf NBC, wie Farbfernsehen funktioniert, warum Bewegung gesund ist und wie die Geschichte der Luftfahrt verlief.

Diese Erklärungen waren nicht das Werk von Trickfilm-Autoren allein. Für seine Weltraum-Sendungen der 1950er-Jahre holte Disney den deutschen Raketenwissenschaftler Wernher von Braun, den Physiker Heinz Haber und den Wissenschaftsautor Willy Ley als Berater, um die Inhalte fachlich abzusichern. Laut Ars Technica und collectSPACE beeinflussten genau diese drei Männer – neben Autor Bill Berg und Animator Milt Kahl – auch die Namensgebung und Anlage von Ludwig von Drake: Die Weite ihres Wissens floss in die Figur ein, von Brauns Expertise und Persönlichkeit prägten sie mit. Den österreichischen Akzent steuerte Sprecher Paul Frees bei.

Den Höhepunkt erreichte die Figur am 10. Februar 1963 in der Episode „Inside Outer Space", in der von Drake sein gleichnamiges Handbuch zum Weltraum bewarb – mit dem Hinweis, man solle sich ein Exemplar besorgen, „bevor es veraltet und die Preise steigen". Die Animation stammte aus früheren Disneyland-Folgen wie „Man and Space", „Man and the Moon" und „Mars and Beyond", die ab 1957 entstanden waren, lange vor dem ersten bemannten Raumflug – spekulativ, mitunter fantastisch und ohne die Erdumläufe, die damals bereits stattgefunden hatten.

Dass die Grenzen zwischen Realität, Beratung und Zeichentrick verschwammen, zeigte Walt Disney selbst, als er den Gast der Sendung ankündigte: „Die weltberühmte Kapazität auf dem Gebiet des Weltraums, Professor Wernher von … ich meine … Ludwig Von Drake." Der Versprecher ist inzwischen ein kleines Stück Raumfahrt- und Fernsehgeschichte: Er zeigt, wie eng die Populärkultur der Raumfahrt der 1960er-Jahre an die Wissenschaftler gebunden war, die ebenjene Raumfahrt möglich machten.