Von Blutzellen zu unreifen Spermien

Was sich wie Science-Fiction liest, aber real ist: Ein Forscherteam der University of Pennsylvania berichtete am 10. Juli im Journal Cell Stem Cell, dass es menschliche Blutzellen erfolgreich in unreife Spermienzellen umgewandelt hat — herangezogen in einem kleinen Beutel, der auf einer Mausniere gewachsen ist.

Der Eingriff stellt das bislang fortgeschrittenste Stadium im Labor gezüchteter menschlicher Spermien dar und markiert einen bedeutenden Schritt zum Verständnis und zur potenziellen Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit.

Der Eingriff

Der Prozess beginnt mit einer einfachen Blutabnahme. Die Forscher entnehmen Blutzellen, reprogrammieren sie in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) und wandeln diese chemisch in die frühesten Vorläufer von Spermienzellen um.

Der Durchbruch gelang, als sie diese Zellmischung in lebende Mäuse transplantierten — speziell in eine Nierenregion, die für ihre Fähigkeit bekannt ist, transplantierte Gewebe zu unterstützen. Der Nierenbeutel versorgte die sich entwickelnden Zellen mit Blut, Nährstoffen und struktureller Unterstützung.

Nach sechs Monaten hatten sich die menschlichen Zellen zu Spermatogonien entwickelt — einem Zelltyp, der schließlich zu vollreifen Spermien führen kann.

Warum es wichtig ist

Rund 40 % der Fälle männlicher Unfruchtbarkeit haben keine bekannte Ursache. Diese Forschung bietet ein neues Werkzeug zur Untersuchung der frühesten Stadien der menschlichen Spermienentwicklung.

Ethische Überlegungen

Die langfristige Aussicht, im Labor gezüchtete Spermien für die menschliche Fortpflanzung zu nutzen, wirft ethische Fragen auf. Die Forscher betonen, dass klinische Anwendungen noch in weiter Ferne liegen.