Kasachstans Präsident hat Deutschland ein direktes Angebot gemacht: verlässliche Lieferungen der kritischen Rohstoffe, die Europa braucht — und gemeinsame Industrieketten dazu.
In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt schrieb Kasym-Schomart Tokajew, sein Land fördere bereits 21 der 34 Rohstoffe, die die Europäische Union als strategisch wichtig einstuft — darunter Lithium, Silizium, Kobalt, Niob, Wolfram und Kupfer. Diese Inputs liegen unter der Energiewende, der Mikroelektronik und weiten Teilen der digitalen Wirtschaft.
“Wir bieten Deutschland verlässliche Lieferungen an und schlagen den Aufbau gemeinsamer Wertschöpfungs- und Produktionsketten vor: von der geologischen Erkundung und Gewinnung über die Verarbeitung und Komponentenfertigung bis zur Wiederverwendung”, schrieb Tokajew nach Angaben der Nachrichtenagentur dts. Besonders große Chancen sieht er bei kritischen Mineralien, Metallurgie, Petrochemie, Lebensmitteln und im Schienenfahrzeugbau.
Das Angebot fällt in einen Moment, in dem Europas Rohstoffstrategie zu einer Übung im Risikomanagement geworden ist. Chinas Einsatz von Exportkontrollen bei Seltenen Erden hat Brüssel und Berlin dazu gebracht, Lieferanten außerhalb einer einzigen dominierenden Quelle zu suchen; in Deutschland gehören staatliche Reserven und eine größere Rolle nicht-chinesischer Verarbeitung inzwischen zur Debatte.
Tokajew kommt am Mittwoch zum Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforum nach Berlin — ein Besuch, der dem Vorstoß eine Bühne gibt und der deutschen Industrie eine Frage hinterlässt: Wie viel der Kette will sie in Zentralasien aufbauen, und wie schnell? Das Binnenland Kasachstan ist zudem auf Routen angewiesen, die Russland umgehen, was die Logistik auf die Liste der ungelösten Punkte setzt.
Für deutsche Hersteller liegt der Reiz in der Diversifizierung. Das Hindernis ist das bekannte: Erkundung, Genehmigungen und Verarbeitungskapazität brauchen Jahre, und die Rechnung geht nur auf, wenn die Preise hoch genug bleiben, um die Investition zu rechtfertigen.




