GitHub hat auf seiner Entwicklerkonferenz Universe in San Francisco am Mittwoch Copilot Fusion vorgestellt – einen Router, der für jeden Schritt einer Programmieraufgabe entscheidet, welches Modell oder welche Kombination von Modellen ihn übernimmt. Bewertet werden Anforderungen wie Schlussfolgern, Codeerzeugung, Debugging und Werkzeugnutzung; das System darf ein einzelnes Modell wählen, mehrere kombinieren oder den Modellaufruf ganz einsparen, wenn er nicht nötig ist.

Die Leistungsbehauptung ist ungewöhnlich konkret. Laut Jay Parikh, Executive Vice President für CoreAI bei Microsoft, erreicht „Fusion Max“ auf dem Coding Agent Index von Artificial Analysis einen Wert, der „innerhalb von zwei Punkten“ an Anthropics Claude Opus 5.5 Max liegt – bei halben Kosten und 40 % weniger Zeit pro Aufgabe. Satya Nadella formulierte es auf LinkedIn als Frontier-Qualität, „40 % schneller und bis zu 77 % günstiger“.

Unabhängig überprüfbar ist das noch nicht. Festhalten lässt sich aber, dass GitHub damit den Wettbewerb von der Modellqualität auf die Betriebskosten verschiebt – ein Router, der mehrere Anbieter mischt, macht den Preis pro erledigter Aufgabe zur zentralen Kennzahl statt den Benchmark-Score. Laut heise kann Fusion auch lokal installierte Modelle einbeziehen.

Die zweite Ankündigung betrifft das Geschäftsmodell. Mit „Copilot Access“ sind ab sofort alle Copilot-Funktionen für Kunden von GitHub Enterprise Cloud im Preis von 21 Dollar pro Nutzer und Monat enthalten; eine zusätzliche Copilot-Lizenz entfällt. Abgerechnet werden die verbrauchten KI-Credits. Bestehende Kunden von Copilot Business oder Copilot Enterprise dürfen ihren Tarif behalten oder „umziehen, wenn sie bereit sind“ – der Wechsel ist freiwillig. Der Vertrieb muss derzeit noch eingeschaltet werden, Self-Service soll folgen. Copilot Standalone bleibt bei 10 Dollar im Monat, dann aber ohne Credit-Kontingent.

Begleitend zeigte GitHub die Copilot-App, in der Agenten projektübergreifend und parallel über mehrere Repositories arbeiten, mit fortgesetzten Sitzungen zwischen App, VS Code, Kommandozeile und Web. Für die Reviews kam „Copilot code review Max“ hinzu, das nach Unternehmensangaben den höchsten F1-Wert im ReviewBench für schwerwiegende Probleme erzielt.

Die Zahlen aus dem Octoverse-Report erklären, warum GitHub überhaupt umbaut. In den zwölf Monaten bis zum 30. September wurden Codeänderungen 17,9 Milliarden Mal hochgeladen – mehr als 2024 und 2025 zusammen. Commits erreichten 34,3 Milliarden, gemergte Pull Requests 1,3 Milliarden, das Dreifache des Vorjahres. Mehr als 40 % der Pull Requests begannen im September mit einem Entwurf eines Agenten, im März waren es noch 17 % – allein im September 110 Millionen.

Das Volumen ist atemberaubend. Im August sprach GitHub von 2,9 Milliarden Commits pro Monat, im April von 1,4 Milliarden, 2024 von 65 Millionen monatlich. Für September meldet das Unternehmen nun 7,4 Milliarden – rund das Hundertfache des Werts von 2024. Die Plattform zählt mehr als 225 Millionen Entwickler, davon 38,3 Millionen in den USA und 32 Millionen in Indien. TypeScript bleibt die meistgenutzte Sprache, Rust wuchs unter den Top-Sprachen am schnellsten und verdoppelte sich binnen eines Jahres.

Diese Last hat ihren Preis. Ausfälle sind bei GitHub zu einem wiederkehrenden Thema geworden, und die Ursache ist laut Unternehmen die agentische Nachfrage selbst. 2026 wurden bereits 3 Millionen CPU-Kerne ergänzt, nun kommen 4 Millionen weitere hinzu, dazu 160 Petabyte schneller Speicher, zusätzliche Rechenleistung für GitHub Actions und 50 Tb/s Netzkapazität. Parallel wird die Plattform umgebaut: Rechen- und Speicherebene werden getrennt, was intern bis zu 35-fach höheren Schreibdurchsatz bringen soll. GitHub migriert auf eine Multi-Region-Bereitstellung bei Azure und will damit Anfang nächsten Jahres fertig sein.

Parikh liefert dazu den passenden Satz: „Ich glaube, die gesamte Software, die wir bisher geschrieben haben, wird weniger als 1 % der Software ausmachen, die wir in den nächsten fünf Jahren schreiben.“ Ob das stimmt, ist offen. Sicher ist, dass die Infrastruktur eines Versionskontrollsystems gerade für eine Arbeitslast dimensioniert wird, die vor zwei Jahren niemand ernsthaft eingeplant hatte – und dass GitHub die Gebührenstruktur gleich mit umstellt.