In Deutschland wird immer häufiger bargeldlos gezahlt, berichtet Heise — ein weiterer Datenpunkt einer Verschiebung, die seit einem Jahrzehnt eine der hartnäckigsten Bargeldkulturen Europas erodiert.

Die Bindung an Banknoten galt lange nicht als Vorliebe, sondern als nationale Eigenschaft: geringe Kartenakzeptanz in kleinen Geschäften, ein ausgeprägter Datenschutzinstinkt und ein heimisches Kartenverfahren, girocard, das um Debit statt Kredit gebaut ist. Diese Mischung machte das Land unter reichen Volkswirtschaften zum Sonderfall — und ließ Prognosen eines bargeldlosen Deutschlands verlässlich verfrüht erscheinen.

Der Mechanismus des Wandels war unspektakulär. Kontaktlose Terminals verbreiteten sich im Handel, Karten- und Wallet-Zahlungen wurden an der Kasse zum Standard, und die in den Pandemiejahren gebildeten Gewohnheiten hielten. Die regelmäßige Erhebung der Bundesbank zum Zahlungsverhalten verzeichnet seit Jahren einen sinkenden Bargeldanteil an den Transaktionen; in der zuletzt veröffentlichten Ausgabe entfielen auf Scheine und Münzen noch etwa die Hälfte — einige Jahre zuvor war es eine klare Mehrheit.

Die Folgen reichen über die Kasse hinaus. Sinkende Bargeldnutzung verändert die Ökonomie von Geldautomaten und Geldtransport, schärft die Debatte über Akzeptanzpflichten und Zusatzentgelte und speist die Arbeit der Europäischen Zentralbank am digitalen Euro — ein Projekt, dessen Argument auch die Sorge ist, private Zahlungswege könnten das öffentliche Geld an den Rand drängen. In einem Land, das seine Bargeldbindung einst per Umfrage vermaß, lautet die interessante Frage nicht mehr, ob der Wandel stattfindet, sondern wie schnell — und wen er zurücklässt.