Google hat begonnen, seine Gemini-Modelle nach Zahlungsbereitschaft zu staffeln — und das beendet eine Ära, in der die leistungsfähigsten Chatbots kostenlos zugänglich waren. Ab dem 9. Oktober erhalten Nutzer ohne Abo in der Gemini-App nur noch das schwächere Gemini Flash Lite; zuvor stand ihnen Gemini Flash und zeitweise auch Gemini Pro zur Verfügung. Wer das 4,99-Dollar-Abo Google AI Plus hat, behält Flash, verliert aber den Zugang zu Gemini Pro. Pro bleibt den teureren Tarifen vorbehalten: AI Pro für 19,99 Dollar im Monat und AI Ultra ab 99,99 Dollar.

Der Schritt ist keine Laune, sondern das Ergebnis einer unbequemen Rechnung. Einer Erhebung von Andreessen Horowitz zufolge nutzt die Hälfte der US-Verbraucher KI-Dienste, aber nur 4,5 % zahlen für ChatGPT, Gemini oder Claude. Ein Viertel nutzt KI täglich; die obersten 10 % der Ausgeber tragen etwa die Hälfte aller beobachteten Ausgaben. Dasselbe Material deutet darauf hin, dass Claude Gemini bei privaten Nutzern überholt hat — Google will also das obere Ende des Marktes ansprechen statt weiter jeden freien Nutzer mit Frontier-Rechenleistung zu subventionieren.

Für Entwickler und Power-User verschiebt sich das Bild in zwei Richtungen. Nach unten wird der kostenlose Einstieg enger: Wer Gemini bisher als Alltagshelfer ohne Abo nutzte, arbeitet künftig mit dem kleineren Modell. Nach oben wird das Angebot breiter — am selben Tag stellte Google Cloud auf seiner Veranstaltung Gemini at Work einen einzigen universellen "Gemini agent" für Unternehmen vor, der Fragen beantwortet, Wissensarbeit erledigt, Bilder und Medien erzeugt sowie Code schreibt und ausführt, in einem Agenten und einer API. Der Konzern verdient also künftig an Firmenverträgen und Premium-Abos, was er zuvor an Endnutzerinnen und Endnutzer verschenkte.

Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen. Die Konkurrenz ist billig, teils kostenlos, und wer nur gelegentlich fragt, wird kaum 19,99 Dollar zahlen, weil ein Modellname wechselt. Für Teams, die Gemini in Prototypen oder in der App-Entwicklung einsetzen, lohnt es sich, jetzt die Tarifgrenzen zu prüfen: Ob Gemini Pro zur Verfügung steht, hängt nicht mehr von Ihrem Google-Konto allein ab, sondern von dem Tarif, in dem es läuft.