Die meisten KI-Musiknachrichten dieser Tage sind Klagen. Engram, ein neues Instrument des Start-ups Thoughtful Things, ist das Gegenteil: ein offline arbeitender Sampler und Groovebox, der ein kleines lokales Modell nutzt, um eingehendes Audio zu verfremden und Klänge zu halluzinieren, die nie aufgenommen wurden.

Das Gerät ist das erste Produkt von Thoughtful Things, das diese Woche eine Kickstarter-Kampagne für eine limitierte Auflage ab 675 Dollar startete. Engram ist keine "Knopf drücken, Song bekommen"-Box für die Top 40, sondern zielt auf experimentelles Sounddesign und treibt seine Audiomodelle bewusst an ihre Grenzen. Im Kampagnenvideo spricht Gründer Evan King das Wort "Klavier" hinein und erhält etwas Glitchiges, nur vage Klavierartiges – was bei diesem Instrument der Punkt ist. King beschreibt Engram als "Feldrekorder für den latenten Raum".

Zwei Designentscheidungen stechen hervor. Erstens hat Engram keine Internetverbindung; das Modell läuft lokal und wurde im Haus auf offenen Datensätzen trainiert, die laut Unternehmen nur kommerziell lizenziertes Audio enthalten (CC-BY oder ähnlich) – mit dem Versprechen, nie mit Raubkopien oder nichtkommerziellem Material zu trainieren. Das ist ein deutlicher Kontrast zu den Urheberrechtsstreitigkeiten um generative Musik, in denen Labels und KI-Anbieter seit Monaten gegeneinander klagen. Zweitens soll die Firmware geöffnet werden, damit andere sie verändern oder eigene Modelle laden können – ganz im Geist des Circuit Bending, bei dem Geräte absichtlich außerhalb ihrer Spezifikation betrieben werden.

Ob aus einem Nischeninstrument für 675 Dollar eine Kategorie oder eine Kuriosität wird, ist offen. Als Beispiel für KI, die ohne Server, Abo oder Gerichtstermin läuft, ist Engram aber ein nützliches Gegenbeispiel – und ein Hinweis darauf, dass generative Modelle auch ohne Cloud-Geschäftsmodell nützlich sein können.