DistroKid, der von sehr vielen unabhängigen Musikerinnen und Musikern genutzte Vertrieb, hat bestätigt, dass Songs als Reaktion auf die Klage von Universal Music Group (UMG) von den Streaming-Diensten entfernt werden – und die Künstler sagen, die Löschungen träfen auch Werke, die mit KI nichts zu tun haben.
UMG hatte den Vertrieb im September verklagt und in der Klageschrift argumentiert, DistroKid habe de facto eine Pipeline für massenhaft erzeugte KI-Musik aufgebaut; das Unternehmen verlangte unter anderem, rund 2.000 namentlich benannte Aufnahmen zu entfernen und die dahinterstehenden Konten zu schließen. The Verge berichtet, DistroKid habe bestätigt, die jüngsten Löschungen seien eine direkte Reaktion auf die Vorwürfe von UMG.
Das Problem ist, wie diese Löschungen ankommen:
- Der Musiker McGwire berichtet, sechs seiner Songs seien ohne jede Vorankündigung verschwunden – vorher und nachher keine Mitteilung. Um überhaupt eine Erklärung zu bekommen, musste er sich mit einem Support-Bot durch eine "langwierige, im Kreis laufende Unterhaltung" kämpfen, bis er an einen Menschen geriet. - Einer der entfernten Titel war eine Coverversion von Stevie Wonders "Isn't She Lovely", für die er nach eigener Aussage eine Lizenz besaß. Ein anderer nutzte einen Beat, den er auf einem Marktplatz gekauft hatte – und der auch anderen lizenziert worden war. - Ein dritter Song wurde wegen eines nicht geklärten Samples entfernt. Das angebliche Original war zwei Jahre nach seinem eigenen Track erschienen. - Der Nerdcore-Rapper Insane Ian schrieb, es sei "ein eigener Song ohne Warnung entfernt worden, und sie wollten mir auch nicht sagen, warum". Auch der Rapper King Chase kam kaum an einen Menschen bei DistroKid heran.
Der gemeinsame Kern der Beschwerden ist nicht die Richtlinie, sondern das Verfahren: keine Warnung, keine Begründung, kein erkennbarer Weg zum Widerspruch – und ein Support, der zuerst über automatisierte Schranken führt.
Warum das wichtig ist: Vertriebe stehen zwischen unabhängigen Musikerinnen und Musikern und praktisch jedem großen Streamingdienst. Wenn automatisiert ermittelte KI-Verdachtsfälle menschliche Arbeit nicht zuverlässig von Maschinenausgabe unterscheiden können, trifft die Durchsetzung zuerst diejenigen mit der geringsten rechtlichen Handhabe – und das Vertrauen in die Plattform, die ihre Karrieren trägt, sinkt mit jedem stillen Takedown.
Zu beobachten: ob DistroKid Kriterien und einen Einspruchsweg veröffentlicht; wie das Verfahren in Delaware weitergeht; und ob andere Vertriebe dem Vorgehen folgen.




