Deutsche Ermittler warnen, dass die sexuelle Anbahnung von Minderjährigen im Netz – Cybergrooming – von einer Nischenstraftat zu einem Massenphänomen geworden ist. Das geht aus einer Erklärung hervor, die heise veröffentlicht hat.

Cybergrooming – die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Kindern und Jugendlichen mit sexueller Absicht, über Spiele, Chat-Apps und soziale Plattformen – ist zu einem der häufigsten Wege geworden, auf denen Missbrauch beginnt. Ermittler beschreiben ein erschreckend gleichförmiges Vorgehen: Ein Erwachsener baut in einem öffentlichen Raum wie einem Mehrspieler-Spiel oder einer Kommentarspalte Vertrauen zu einem Kind auf, verlagert das Gespräch in einen privaten Kanal, tastet die Grenzen des Kindes schrittweise ab und isoliert es von Erwachsenen, die es bemerken könnten.

Die Orte sind so wichtig wie die Methode. Spiele, die für Kinder gemacht wurden, Gruppenchats und Apps, die Fremden Direktnachrichten erlauben, bilden den ersten Berührungspunkt – und Eltern betrachten sie oft nicht als Teil des sozialen Lebens ihres Kindes, so wie Schule oder Sport. Genau darauf verlassen sich Täter. Und darauf, dass die Anbahnung meist mit etwas beginnt, das wie Freundschaft aussieht.

Deutschland hat den Straftatbestand direkt angegangen und das Strafrecht in den vergangenen Jahren verschärft: Die Kontaktaufnahme zu einem Kind im Netz mit sexueller Absicht ist nun eigenständig strafbar, noch bevor es zu körperlichem Kontakt kommt. Verurteilungen bleiben jedoch relativ selten, und die Melderaten gelten als niedrig: Kinder erkennen oft erst später, was geschieht, und die anschließende Scham erschwert das Offenlegen.

Die Empfehlungen an Familien sind einheitlich und unspektakulär. Behalten Sie die Spiele und Apps im Blick, die ein Kind tatsächlich nutzt, nicht nur die, die es von sich aus nennt. Nehmen Sie ein Kind ernst, das sagt, ein Online-Fremder verhalte sich 'seltsam'. Machen Sie deutlich, dass ein Gespräch mit einem Elternteil nie Ärger wegen einer gebrochenen Geräteregel bedeutet. Die Botschaft der Ermittler lautet kurz: Prävention hängt weniger an Software als daran, dass Erwachsene im Raum bleiben.