Sigil Wen war 17, als er ins Silicon Valley zog und in einem „AI Hacker House" mit dem Forscher Andrej Karpathy lebte. Dort programmierte er neben Leuten, die später zu den bekanntesten Namen der Branche wurden – Perplexity-Gründer Aravind Srinivas, OpenAI-Forscher Noam Brown – und testete frühe Versionen von Werkzeugen, die als Claude, Midjourney, GPT-3 und Stable Diffusion bekannt wurden. Zum Spaß brachte er GPT-2 auf einer Apple Watch zum Laufen. Heute ist Wen Thiel Fellow, und am Montag startete er die Einladungs-Beta von Underdog: einen KI-Assistenten, der vollständig auf dem Gerät läuft.
Damit tritt Underdog gegen eine wachsende Klasse lokaler Assistenten an, die TechCrunch in seiner Schlagzeile als Instinct und Muse bezeichnet. Underdog läuft zunächst auf Macs und Windows-PCs; Versionen für Linux, iPhone und Android sollen folgen. Die Daten bleiben laut Unternehmen auf Geräten, die Nutzer ohnehin besitzen.
Was drinsteckt
Wen hat eine eigene Inferenz-Engine namens Husky gebaut, die darauf ausgelegt ist, weniger Daten zwischen Hauptprozessor und Grafikchip hin- und herzuschieben als andere On-Device-Engines – genau dieser Datentransfer ist bei lokaler Inferenz meist der Engpass. Dazu kommen Sicherheitsvorkehrungen: Die Schlüssel für E-Mail- und andere Konten, auf die der Assistent zugreifen darf, werden verschlüsselt abgelegt.
Das Modell selbst ist deutlich kleiner als die Systeme in Rechenzentren: ein 27-Milliarden-Parameter-Reasoning-Modell, feinabgestimmt aus Qwen3.8 27B. Wen argumentiert, es schneide in einigen Benchmarks günstig gegen Claude Opus 4.6 ab – also gegen das, was vor einem halben Jahr als Spitzenleistung galt. Für Alltagsaufgaben wie Einkaufsrecherche oder Mathe-Hausaufgaben reiche das, sagt er. „Man muss seine Privatsphäre nicht gegen Leistungsfähigkeit tauschen, weil sie genauso leistungsfähig sind."
Das Geschäftsmodell
Interessanter als der Assistent ist vielleicht, wie er Geld verdienen soll. Die App startet kostenlos und soll nie werbefinanziert sein. Da die Inferenz auf den Rechnern der Nutzer läuft, fallen für Conway Research – so heißt das Unternehmen hinter Underdog – keine Provider-Kosten an. „Ich muss dir kein Abo berechnen, weil meine Kosten so extrem niedrig sind", sagte Wen.
Stattdessen bedient er sich beim Fintech-Playbook: Underdog will einen kleinen Anteil an Zahlungstransaktionen einbehalten, die der Assistent über die sicheren Zahlungswege von Stripe abwickelt – ähnlich einer Interchange-Gebühr. Der Assistent müsse so nie Nutzerdaten auswerten, argumentiert Wen. Das ist das Gegenteil der Anreize vieler Wettbewerber, deren Datenschutzbestimmungen das Sammeln und teilweise Weiterverwenden von Nutzerdaten erlauben. Bei einem Assistenten, der für seinen Nutzen Einblick in Gesundheitsdaten, Finanzen oder Informationen über Kinder braucht, wiegt dieser Kompromiss besonders schwer.
Wer dahintersteckt
Zu den Geldgebern gehören Andreessen Horowitz über Partner Chris Dixon, Khosla Ventures, Hummingbird, SV Angel und der Anthology Fund – der Gemeinschaftsfonds von Menlo Ventures und Anthropic. Als Engel investieren unter anderem Stripe-Mitgründer Patrick Collison, Vercel-Gründer Guillermo Rauch, OpenAI-Forscher Noam Brown und Deedy Das.
Was noch offen ist
Die Beta ist einladungsbeschränkt, und die Leistungsvergleiche stammen vom Gründer selbst; unabhängige Benchmarks, die ein 27B-Modell auf Consumer-Hardware gegen aktuelle Cloud-Modelle stellen, fehlen bislang. Auch der Zahlungsanteil als Erlösmodell ist ungetestet: Er setzt voraus, dass Nutzer ihren Assistenten regelmäßig für Transaktionen einsetzen. Unabhängig davon ist die Richtung bemerkenswert – die Frage, ob KI-Assistenz Privatsphäre kosten muss, wird derzeit nicht nur mit kleineren Modellen beantwortet, sondern auch mit einem anderen Geschäftsmodell.




