Anthropic hat Claude Sonnet 5.5 vorgestellt – das zweite Modell der 5.5-Familie nach dem Spitzenmodell Opus 5.5, das erst eine Woche zuvor erschienen war. Laut Herstellerangaben arbeitet Sonnet 5.5 über 30 Prozent schneller als sein Vorgänger Sonnet 5 und senkt die Kosten pro Aufgabe um bis zu 30 Prozent.
An der Preisliste ändert sich dabei nichts: 2 US-Dollar pro Million Input-Token, 10 US-Dollar pro Million Output-Token und 0,20 US-Dollar für Cache-Reads entsprechen exakt dem Vorgänger. Billiger wird es nur in der Praxis, weil das Modell für dieselben Aufgaben weniger Token benötigt. Das ist kein Nebensatz, sondern das eigentliche Versprechen: Bei unveränderten Listenpreisen entscheidet der Tokenverbrauch über die Rechnung.
Auffällig sind die Coding-Werte. Auf Terminal-Bench 4.0 erreicht Sonnet 5.5 laut Anthropic 70,6 Prozent – gegenüber 10,3 Prozent bei Sonnet 5 und, auf Xhigh-Stufe, 66,4 Prozent bei Opus 5.5, dem eigenen Flaggschiff. Auf FrontierCode liegt es bei hohem Rechenaufwand zehn Punkte über Sonnet 5 in derselben Einstellung – bei etwa einem Fünfzehntel der Kosten pro Aufgabe. Bei maximalem Aufwand soll Sonnet 5.5 in mehreren Tests das Niveau von Opus 5.5 erreichen, dann allerdings zu ähnlichen Kosten. Genau hier liegt der Vorbehalt: Es sind vom Anbieter ausgewählte Benchmarks, verglichen mit Sonnet 5, Opus 5.5 und OpenAIs GPT-6 Sol.
Positioniert ist das Modell für alltägliche, klar abgegrenzte Aufgaben, die Fehlersuche in Software sowie das Erstellen von Dokumenten, Präsentationen und Tabellen. Anthropic hebt schnellere Iterationen, natürlichere Kommunikation und bessere Designfähigkeiten hervor – das Modell könne Bedienoberflächen optimieren und Präsentationsvorlagen mit geringem Nachbearbeitungsaufwand ausfüllen.
Bemerkenswert ist die Sicherheitsseite. Sonnet 5.5 ist laut Anthropic das erste Modell der Sonnet-Reihe mit Schutzmechanismen, die bislang den leistungsstärksten Modellen vorbehalten waren. Da seine Fähigkeiten in der Cybersicherheit mit denen von Opus 5 vergleichbar seien, würden riskante Anfragen automatisch abgefangen und an ein Ausweichmodell weitergeleitet; routine-mäßige Softwareentwicklung bleibe davon unberührt. Anthropic räumt ein, dass die Filter gelegentlich auch legitime Anfragen blockieren können.
Sonnet 5.5 erscheint mitten in einer Preis- und Effizienzoffensive des Marktes. OpenAI hatte zuletzt die Preise für GPT-6 Sol und Luna halbiert; pro Token kostet Sonnet 5.5 nun genauso viel wie GPT-6 Sol. Verfügbar ist das Modell über die Claude-Plattform sowie über Amazon Bedrock, Google Vertex AI und Microsoft Foundry. Damit sitzt es zwischen Opus 5.5 und dem für die kommenden Wochen angekündigten Haiku 5.5.




