Brightin Star hat sein 50 mm F2 Tri-Sight im eigenen Onlineshop in den Verkauf gebracht – rund sieben Monate, nachdem das Objektiv auf der Fotomesse CP+ in Yokohama vorgestellt wurde. Die manuelle Vollformat-Festbrennweite gibt es für Sony E, Nikon Z, Canon RF und L-Mount, und ihr Verkaufsargument ist ungewöhnlich: Statt Abbildungsfehler zu verstecken, bietet sie drei Stellungen, die sie gezielt nutzt.
Neben Blenden- und Fokusring trägt das Tri-Sight einen dritten Ring mit den Positionen Smooth, Prime und Foams. Beim Drehen verschiebt ein Mechanismus eine Linsengruppe im Tubus und verändert damit die Korrektur von sphärischer Aberration und Astigmatismus. Smooth unterkorrigiert die sphärische Aberration für weichere Konturen und fließendere Unschärfe und ist unter anderem für Porträts gedacht; Prime ist die neutrale, konventionelle Einstellung; Foams überkorrigiert und gibt unscharfen Lichtpunkten deutlich sichtbare Ränder – das sogenannte Bubble-Bokeh, bekannt etwa von Trioplan-Objektiven. Der Haken: Der Moduswechsel verschiebt auch die Fokuslage, nach dem Umschalten muss neu scharfgestellt werden. Drei getrennt markierte Entfernungsskalen auf dem Tubus helfen dabei.
Unmittelbar vor dem Bajonett nimmt das Objektiv Bokeh-Einsätze auf. Vier Formen liegen bei – Schmetterling, Stern, Dreieck und Kleeblatt – und verändern die Kontur punktförmiger Lichtquellen außerhalb der Schärfeebene. Ein verschraubter Haltering soll verhindern, dass sich ein Einsatz löst und in Richtung Sensor fällt. Am deutlichsten wirken die Masken bei weit geöffneter Blende und klarem Abstand zwischen Motiv und Hintergrund; sie prägen die Form der Unschärfekreise, statt wie ein Filter über dem ganzen Bild zu liegen.
Optisch besteht das Tri-Sight aus sieben Linsen in sechs Gruppen. Die Blende mit elf Lamellen lässt sich stufenlos zwischen f/2,0 und f/22 verstellen, einen Autofokus gibt es nicht, die Naheinstellgrenze liegt bei 0,7 Metern und das Frontfiltergewinde misst ungewöhnliche 37,5 Millimeter. Eine ausziehbare Gegenlichtblende ist ins Metallgehäuse integriert. Je nach Bajonett wiegt das Objektiv 429 bis 454 Gramm bei 70 bis 74 Millimetern Baulänge; ein abnehmbarer Fokussierhebel gehört dazu – praktisch für Video, weil stufenlose Blende und Hebel leise Änderungen während eines Takes erlauben, sofern die Schärfe beim Wechsel des Bildcharakters gleichzeitig korrigiert wird.
Brightin Star listet das Objektiv derzeit bei rund 350 US-Dollar, als regulären Preis knapp 400 Dollar; das Paket mit passendem 37,5-mm-Schutzfilter kostet 370 statt 435 Dollar. Eine deutsche Preisempfehlung weist die US-Produktseite nicht aus, und die Verfügbarkeit scheint je nach Kanal zu schwanken: Der Hersteller führt das Objektiv im eigenen Shop als bestellbar, während der US-Händler B&H die Sony-E-Version für 350 Dollar noch als Neuheit mit ausstehender Lieferung und Vorbestellungen führt.




