Zum ersten Mal in der modernen Aufzeichnung könnte eine Atlantik-Hurrikansaison den Oktober erreichen, ohne dass ein einziger Hurrikan entstanden ist. Diese Serie dürfte nun im Golf von Mexiko enden.
Das System, das das National Hurricane Center als AL92 verfolgt – ein ausgedehntes Tief im Südwesten des Golfs –, soll sich binnen eines Tages zu einem tropischen Tiefdruckgebiet entwickeln und sich dann verstärken, während es nordwärts Richtung US-Golfküste zieht. Erreicht es Sturmstärke, wird es den Namen Isaias tragen; die Wahrscheinlichkeit einer Zyklogenese innerhalb von 48 Stunden liegt bei über 90 Prozent.
Der Grund für die Stille ist El Niño, der sich rasch verstärkt und dem Atlantik vertikale Windscherung aufbürdet, die entstehende Stürme auseinanderreißt. Dasselbe Phänomen hält den Pazifik beschäftigt: Die Reste von Hurrikan Polo setzten in der vergangenen Woche den Südwesten und die Mitte der USA unter Wasser.
Ein Rekord, der seit 121 Jahren steht, ist in Reichweite. Laut National Weather Service ist der 8. Oktober 1905 das späteste Datum, an dem je der erste Hurrikan einer Atlantiksaison registriert wurde. Erreicht Isaias nach Donnerstag Hurrikanstärke, hätte 2026 den spätesten ersten Hurrikan aller Zeiten. Am Dienstag war das System noch ein Tiefdruckgebiet – der Rekord ist also noch nicht gefallen.
Die Intensitätsprognosen sind ungewöhnlich breit. Googles DeepMind-Modell WeatherNext 3 erwartet die größte Stärke zwischen Donnerstag und Freitag, mit maximalen anhaltenden Winden irgendwo zwischen Kategorie 1 und nahe Kategorie 5 – eine Spanne, die die echte Unsicherheit darüber widerspiegelt, wie lange der Sturm über warmem Golfwasser bleibt. Das NHC rät Interessierten von Louisiana bis zum Florida Panhandle, das System zu beobachten; Warnungen für kleine Wasserfahrzeuge reichen von der östlichen Küste Louisianas bis Nordostflorida.
Die Landgang-Szenarien der Ensembles reichen von Biloxi in Mississippi bis Seaside im Florida Panhandle, danach zieht der Sturm landeinwärts über den Südosten und schwächt sich bis Sonntag zu einem posttropischen Zyklon ab. Das Globale Ensemble-Vorhersagesystem der NOAA sieht es ähnlich. Eine NOAA-Gulfstream-Maschine sollte die Umgebung über dem Golf vermessen, ein Aufklärungsflugzeug der Air Force am Folgetag das System untersuchen.
Selbst ohne Hurrikan ist die Überschwemmung die Schlagzeile: 'Unabhängig von der Entwicklung könnten später in dieser Woche und am Wochenende starke Regenfälle und damit verbundene Überschwemmungen Teile der nördlichen Golfküste, des Südostens der USA und Floridas treffen', so das NHC.
Quellen
- gizmodo.comGizmodo: The Atlantic's Record-Late First Hurricane May Be Brewing in the Gulf
- arstechnica.comArs Technica: It looks like the Atlantic storm season may finally produce a hurricane
- foxweather.comFox Weather: Growing potential for Invest 92L to intensify into Hurricane Isaias
- accuweather.comAccuWeather: Tropical rainstorm in Gulf likely to become Atlantic's first hurricane
- nhc.noaa.govNOAA National Hurricane Center: Atlantic Tropical Weather Outlook
- pnj.comPensacola News Journal: Gulf system eyes Cat 2 hurricane strength on potential path toward Florida




