„Niemand in Europa kauft ASML-Chipfertigungsmaschinen“ — mit diesem Satz bringt Frank Heemskerk in einem von Golem.de aufgegriffenen Beitrag die europäische Halbleiterlage auf den Punkt. Der Widerspruch steckt in einer einzigen Zeile: Europa beherbergt den einzigen Anbieter von EUV-Lithografie weltweit — und zugleich kaum einen Kunden, der diese Maschinen für Spitzenchips braucht.

ASMLs Kundenliste ist geografisch eindeutig. Wer heute Chips unterhalb von fünf Nanometern fertigt, sitzt in Taiwan, Südkorea, den USA und zunehmend in Japan: TSMC, Samsung, Intel, SK Hynix, Micron. Die Ausrüsterwerkzeuge, die diese Fabriken bestellen, kosten pro EUV-System einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, die High-NA-Generation noch deutlich mehr.

Europas eigene Werke sind fast vollständig eine andere Kategorie. Infineon, Bosch, STMicroelectronics, die geplante ESMC-Fabrik in Dresden, X-FAB und Nexperia fertigen Leistungshalbleiter, Mikrocontroller, Sensorik und Automobilchips — überwiegend auf reiferen Knoten. Diese Linien nutzen ältere DUV-Werkzeuge, nicht EUV. Der EU Chips Act zielt auf einen Anteil von 20 Prozent an der globalen Produktionskapazität bis 2030, und zwar überwiegend in genau diesen ausgereiften Strukturen. Viel Kapazität, wenig Spitzentechnologie. Intels geplantes Werk in Magdeburg, lange das Zentrum deutscher Hoffnungen, wurde mehrfach verschoben und schließlich aufgegeben.

Damit fehlt Europa der Puffer, den es bräuchte. Der chinesische Markt war für ASML jahrelang ein erheblicher Umsatzanteil; mit den verschärften Exportkontrollen schrumpft er als Puffer für die Spitzenwerkzeuge. Wenn gleichzeitig niemand in Europa die teuren Maschinen bestellt, hängt ASMLs Wohl stärker denn je an einer Handvoll asiatischer und amerikanischer Konzerne.

Die strategische Pointe: Europa besitzt einen echten Hebel — EUV ist ein Monopol, dazu kommen Optiken von Zeiss und Anlagen von ASM International und BESI. Nur ist das ein Hebel über Zulieferung, nicht über eigene Fertigung. Wer den Ausschluss von Spitzenchips fürchtet, sollte deshalb nicht nur die Maschinen betrachten, sondern die Frage, warum der eigene Kontinent sie nicht bestellt. Hinweis: Ort und Kontext der zitierten Äußerung wurden hier anhand des Berichts von Golem.de übernommen, nicht unabhängig überprüft.