Wie aus Dokumenten hervorgeht, die Bloomberg News einsehen konnte, teilt Anthropic PBC potenziellen Investoren mit, dass der Umsatz im zweiten Quartal im Jahresvergleich um mindestens das 14-fache gestiegen ist.

Der Entwickler des Chatbots Claude meldete für das zweite Quartal 2026 einen vorläufigen Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden Dollar — gegenüber 787 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und 4,73 Milliarden Dollar im ersten Quartal dieses Jahres. Aus den Dokumenten geht außerdem hervor, dass das Unternehmen im Quartal erstmals ein positives bereinigtes Betriebsergebnis erzielte. Die Gespräche dauern an, die Zahlen könnten noch revidiert werden; ein Sprecher von Anthropic lehnte eine Stellungnahme ab.

Das rasante Wachstum kommt in einer Phase, in der Anthropic mit dem langjährigen Rivalen OpenAI um Unternehmenskunden kämpft. Galt Anthropic einst als Außenseiter im KI-Wettlauf, so verzeichnet das Unternehmen inzwischen einen starken Zulauf von Fachleuten, die seine Software unter anderem für Programmieraufgaben einsetzen. Die annualisierte Umsatzrate (Run Rate) überstieg im Mai 47 Milliarden Dollar; die Run Rate von OpenAI liegt laut Bloomberg News bei über 40 Milliarden Dollar, wobei die beiden Kennzahlen möglicherweise unterschiedlich berechnet werden.

Das Unternehmen führt nach Angaben informierter Personen seit Juli Gespräche mit Investoren vor einem möglichen Mega-Börsengang. Anthropic hat vertraulich einen Börsenzulassungsantrag eingereicht und arbeitet mit Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase zusammen. Ein Börsengang im Herbst würde Anthropic vor OpenAI und vor dem chinesischen Rivalen DeepSeek an die Börse bringen, der ebenfalls einen IPO vorbereitet.

Anthropic will die große Finanzierungskraft des öffentlichen Marktes nutzen, um seinen Vorsprung vor OpenAI und anderen zu behaupten, während KI-Unternehmen Hunderte Milliarden Dollar in die Entwicklung von Spitzenmodellen investieren. Der KI-Wettlauf hat den IPO-Markt neu entfacht: Laut Bloomberg-Daten haben Börsengänge in diesem Jahr — ohne Blank-Check-Gesellschaften — 256,4 Milliarden Dollar eingesammelt, so viel wie seit 2021 nicht mehr.