Ein Geist im Genom

Ein internationales Team von Paläogenetikern hat überzeugende Beweise für eine bisher unbekannte alte menschliche Bevölkerung entdeckt, die Zehntausende von Jahren in Südostasien lebte, bevor sie vor etwa 10.000 Jahren auf mysteriöse Weise verschwand.

Die Entdeckung

Durch die Analyse von DNA aus 30 alten menschlichen Überresten, die in Thailand, Laos und Vietnam gefunden wurden — einige davon bis zu 50.000 Jahre alt — identifizierten Forscher eine eindeutige genetische Signatur, die mit keiner bekannten Bevölkerung, ob modern oder antik, übereinstimmt. Die sogenannte 'Phantom-Population' (formell als Basal-Südostasiatische Linie bezeichnet) scheint über 30.000 Jahre genetisch isoliert gewesen zu sein.

Wer waren sie?

Die Phantom-Population existierte vor der Migration der ostasiatischen Vorfahren in die Region. Sie waren Jäger und Sammler mit besonderen körperlichen Merkmalen, die an tropische Waldumgebungen angepasst waren. Ihre genetische Signatur deutet darauf hin, dass sie sich sehr früh von der Hauptwelle der Out-of-Africa-Migration abspalteten, möglicherweise als eine der ersten Wellen moderner Menschen, die Asien erreichten.

Ihr Vermächtnis

Während die Bevölkerung als eigenständige Gruppe gegen Ende der letzten Eiszeit verschwand — wahrscheinlich von neueren Migrationsgruppen absorbiert oder ersetzt — lebt ihre DNA fort. Die Studie ergab, dass moderne melanesische Bevölkerungen und australische Ureinwohner zwischen 3–8 % ihrer Abstammung von dieser Geisterpopulation tragen, weit mehr als bisher vermutet.