AlmaLinux nimmt erstmals Anwendungen in sein Zertifizierungsprogramm auf. Softwareanbieter können ihre Produkte im neuen Katalog eintragen und angeben, welche AlmaLinux-Versionen sie unterstützen; Nutzer können nach Anmeldung bestätigen, dass eine Anwendung auf ihrer Version funktioniert. Da es für Software — anders als für Hardware — keine automatische Testsuite gibt, ist entscheidend, wer die Kompatibilität bestätigt hat: ein Community-Mitglied, der Hersteller oder die AlmaLinux OS Foundation. Ein Eintrag gilt für eine Hauptversion, AlmaLinux 9 also nicht automatisch auch für AlmaLinux 10. „Zertifizierung" bedeutet hier Kompatibilität, keine Sicherheitsprüfung und keine behördliche Zulassung.

Für Hardware hat die Distribution ihre Testsuite neu geschrieben. Das RPM-Paket alma-certify liegt im Extras-Repository und lässt sich mit dnf install alma-certify installieren; alternativ startet die Prüfung von einem AlmaLinux-Live-System, der zu prüfende Rechner muss die Distribution also nicht dauerhaft installiert haben. Wer alma-certify ohne Argumente aufruft, wird durch die Auswahl der Prüfoptionen geführt.

Die Suite erfasst unter anderem Prozessoren, Arbeitsspeicher, Laufwerke, Netzwerk- und Grafikhardware sowie Firmware- und Treiberversionen. Benchmarks bleiben möglich, laufen aber nicht mehr standardmäßig; Ergebnisse optionaler Leistungstests fließen in öffentliche Vergleichslisten ein. Laut Projekt dauert ein Hardware-Durchlauf auf den meisten Systemen weniger als zehn Minuten.

Der Katalog unter catalog.almalinux.org führt Systeme, Komponenten und Software zusammen und macht kenntlich, ob ein Eintrag vom Hersteller, von der Foundation oder aus der Community stammt; die Daten sind auch über eine öffentlich lesbare API verfügbar. Damit ist AlmaLinux nicht allein: Im Rocky-Linux-Umfeld betreibt der Dienstleister CIQ seit April 2026 mit C3 einen öffentlichen Kompatibilitätskatalog für Hard- und Software, der ebenso zwischen Community-Angaben, Herstellerprüfung und formaler CIQ-Zertifizierung unterscheidet.